Verfasst von: Cornelia | 19. Februar 2012

Modeerscheinung

Es ist – insbesondere bei Facebook – gerade sehr modern, seine Tätigkeit mit einem Augenzwinkern aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Beispiele gibt es im Netz reichlich: 1 2 3 4 5.

Jetzt konnte auch ich mich dem aktuellen Trend nicht mehr entziehen:

Verfasst von: Cornelia | 23. Januar 2012

Neu aufbrechen

Soeben ist eine neue Aktion der Bistümer Essen, Köln und Freiburg ins Leben gestartet: “Neu aufbrechen” ist im Web und auf Facebook freigeschaltet worden. Die drei Bistümer laden uns alle ein zu einem geistlichen Weg in der Fasten- und Osterzeit 2012. In der Zeit vom ersten Fastensonntag (26. Februar) bis Pfingsten (27. Mai) werden per E-Mail zwei Mal wöchentlich spirituelle Impulse, die kostenlos abonniert werden können.

Darüber hinaus kann auf Facebook in moderierten Kleingruppen ausgetauscht werden: Was haben die Impulse in mir ausgelöst, was möchte ich anderen dazu mitteilen?

“Neu aufbrechen”, der Titel des Projektes, knüpft an das Motto des Katholikentages vom 16. bis 20. Mai in Mannheim. Ausgehend von biblischen Aufbruchsgeschichten geben die Impulse Anregungen für einen persönlichen und / oder gemeinschaftlichen Aufbruch unter dem Zuspruch und Anspruch Gottes. Das Projekt versteht sich deshalb auch als Angebot zur geistlichen Vorbereitung auf das Katholikentreffen, ist darüber hinaus aber offen für alle Interessierten.

Also: Herzliche Einladung an alle!

Verfasst von: Cornelia | 14. Januar 2012

Das letzte Vesperheft

In unserer Gemeinschaft ist es üblich, dass sich Mitglieder im ersten Jahr der Formungszeit neben dem Unterricht und der sonstigen spirituellen Ausbildung sozial engagieren. Als ich aus Spanien wiederkam, stand also auch ich vor der Situation, mir in einer (damals noch) fremden Stadt ein Ehrenamt zu suchen. Nach einigem Überlegen und Hin und Her habe ich mich für die Mitarbeit bei der Bahnhofsmission entschieden. Die Bahnhofsmission Münster sieht sich selbst als niedrigschwellige Einrichtung, die “Kirche am Bahnhof” sein will und offen ist für Menschen, die im Bahnhofsbereich Hilfe brauchen. Dabei ist sie nicht beschränkt auf bestimmte Arten von Hilfe, sondern grundsätzlich offen für jeden Hilfebedarf, den die Menschen mitbringen. Ob einer ein offenes Ohr braucht oder eine Übernachtungsmöglichkeit, ob eine Tasse Kaffee oder Hilfe beim Einsteigen in den Zug, ob eine Tasche im Zug stehen gelassen wurde oder der leere Handyakku einen Anruf zu Hause unmöglich macht – die Bahnhofsmission versucht zu helfen oder Hilfe zu vermitteln.

Gute zehn Monate habe ich jetzt regelmäßig Sechs-Stunden-Schichten geschoben. Nach anfänglichem Ausprobieren pendelte es sich bei mir auf Mittwoch und Freitag am Nachmittag ein. Und wie das so ist, nicht nur ich hatte meine “festen” Wochentage. So ergab es sich, dass ich am Freitag sehr oft mit denselben Kollegen Dienst hatte, und mit einem von ihnen gab es öfter mal theologische Gespräche. Recht bald beschlossen wir, dass wir – so der Dienst es zuließe – auch mal gemeinsam die Vesper beten könnten, und das geschah auch. Wir beteten aus eigens aus dem römischen Brevier zusammengestellten Vesperheftchen, von denen wir meist auch eins für die anderen Kollegen liegen ließen. Manchmal hatten wir noch einen dritten Mitbeter, je nachdem, wer in der Schicht noch zum Team gehörte. Aber auch Kollegen, die nicht mitbeteten, hielten uns den Rücken frei und übernahmen für eine Viertelstunde den Kaffeeausschank und Telefondienst allein, solange keine Katastrophen hereinbrachen. Das fand ich sehr anständig, gerade von denen, die mit Kirche sonst nichts am Hut haben. Auch die Leitung der BM beobachtete unser Gebet mit Wohlwollen und bat uns lediglich, die BM, ihre Mitarbeiter und die Hilfesuchenden ins Gebet mit einzuschließen, was wir selbstverständlich taten.

Nicht immer war Zeit fürs Gebet. Oft genug gab es die “Freitagskatastrophe”, liebevoll so benannt, weil sie Freitag nach fünf in verschiedenster Gestalt hereinbrach, wenn alle Behörden geschlossen und auch manche sozialen Notdienste nicht zuverlässig zu erreichen sind. Dann kamen Menschen mit wirklichen Problemen, denen mit einem belegten Brötchen alleine nicht zu helfen war, und für die wir einiges an Kreativität und Einsatz aufbringen mussten, um ihnen zu helfen. Aber genau das war dann in diesen Momenten unser Gottesdienst, und das machte die Arbeit immer wieder spannend und gab uns oft das Gefühl, unseren Nachmittag sinnvoll verbracht zu haben.

Gestern nun war mein letzter Freitagsdienst im ersten Jahr der Formungszeit. Auch gestern gab es wieder ein Vesperheftchen, das mein Kollege zum [nicht gebotenen] Gedenktag des Hl. Hilarius (Bischof und Kirchenlehrer) zusammengestellt hatte. Aber gestern kamen wir mal wieder nicht dazu, in der BM die Vesper zu beten. Zu der entsprechenden Zeit warteten wir auf eine Dame in Rollstuhl, um ihr mittels einer Hubrampe in den InterCity zu helfen. Aber das Heftchen, das hab ich mir mitgenommen.

Verfasst von: Cornelia | 1. Januar 2012

Auf ein gesegnetes 2012!

Allen, die hier auch nach längeren Schreibpausen meinerseits noch wieder hereinschauen, wünsche ich auf diesem Wege ein frohes und gesegnetes Jahr 2012.
Das Jahr 2011 ist nun endgültig abgeschlossen. Die Jahresrückblicke in den Medien waren, soweit ich sie mitbekommen habe, diesen Dezember im wesentlichen von Negativa gezeichnet. Mein persönliches Jahr war aufregend und abwechslungsreich wie selten zuvor. Es gab schöne Zeiten und schwierigere, wobei die schwierigen Zeiten häufig die sind, die dem persönlichen Wachstum am meisten zutragen, und so bin ich auch und gerade für diese dankbar.
Für mich war es ja das erste Jahr meiner Formungszeit. Es war gekennzeichnet durch geistliche Ausbildung (Noviziatsunterricht) und soziales Engagement vorwiegend bei der Bahnhofsmission Münster, durch Leben in unserer Gruppe in Münster, die ein offenes Haus ist und viele Besuche verzeichnet, auch durch viele Mitschwestern, die bei uns ihren Urlaub verbracht haben und die Schönheit unserer Stadt genießen konnten. Wir haben wunderschöne Heilige Messen gefeiert – auch ab und zu bei uns im Haus – und vorm Fernseher den Papstbesuch verfolgt, wir haben eine Gruppe gegründet, in der junge Erwachsene den YouCat als Basis für heiße Glaubensgespräche nehmen, auch Familienmitglieder waren ab und an mal bei uns zu Gast. Auch in unserer Kirchengemeinde übernehmen wir verschiedenste Dienste und kam es zu zahlreichen Begegnungen.

Unsere Krippe - Version "unschuldige Kinder"

Unsere Krippe - Version "unschuldige Kinder"

Den Abschluss des Jahres durch ein sehr ruhiges und besinnliches, ja, beschauliches Weihnachtsfest empfinde ich ebenfalls als ausgesprochen gelungen. Auf die Feier der Geburt Christi folgte am 28. Dezember das Fest der unschuldigen Kinder, an dem ich als Jüngste gemeinsam mit dem Schalk, der in meinem Nacken sitzt, einen Tag lang das Regiment übernehmen durfte. Zum Beispiel fand sich an unserer Weihnachtskrippe plötzlich ungewöhnlicher Besuch für das Kind ein … Ja, es war ein buntes Jahr hier bei uns.
Jetzt kommt im nächsten Jahr, dem zweiten Jahr der Formungszeit, das Praktikum auf mich zu. Dann darf ich all das im praktischen Leben anwenden, was ich in diesem Jahr gelernt habe – und ich denke, durch das Tun wird vieles noch erweitert und vertieft werden. So gehe ich mit großer Neugierde und Freude in dieses neue Jahr 2012 hinein, immer wieder im Staunen über all das, was der Herr mir in diesem neuen Lebensabschnitt im Institut St. Bonifatius schenkt. Auch meinen treuen Lesern erbitte ich alle Gnade und allen Segen für dieses neue Jahr 2012!

Verfasst von: Cornelia | 19. Dezember 2011

Wir haben Seinen Stern aufgehen sehen.

Es ist doch jedes Jahr wieder gleich: Kaum ist es Dezember, kaum nähert sich das Weihnachtsfest, fangen meine Finger wie von selbst an, Sterne zu falten. Und jedes Jahr kenne ich wieder andere Menschen, die ich damit erfreuen kann. Dieses Jahr habe ich einige Sterne für die Bahnhofsmission und für ihre Mitarbeiter gefaltet. Schon vor Jahren habe ich auch eine Anleitung erstellt, die ich auf meine damalige Homepage setzte – mit dem Erfolg, dass diese Homepage regelmäßig im Dezember (und in späteren Jahren auch schon im November, manchmal gar ab Oktober) nicht mehr erreichbar ist, da das kostenlos verfügbare Traffic-Volumen von 1 GB erschöpft ist. Und so hab ich mir gedacht, dass ich die eigentlich mal hier rüber kopieren könnte – in dem Stil, wie ich 2006 schrieb, mit den gleichen Bildern wie damals, aber immer noch aktuell. Dann kann es ab sofort wieder heißen: Wir haben Seinen Stern aufgehen sehen!

Zutaten für einen 3D-Stern

Du brauchst dafür:

  • 30 Blatt Papier (quadratisch, ich nehme 9 cm Kantenlänge, da es das als Notizblockformat in unserem Schreibwarenladen gibt. Wenn es viel kleiner wird, dürfte es bald fummelig werden, aber viel größer ist auch nicht gut, weil der Stern an Stabilität verliert. Qualität des Papiers: Normales, also irgendwas zwischen 60 und 100 g/m²).
  • eine freie Fläche, ca. 30 mal 30 cm – zum Falten; mehr schadet nicht.
  • gutes Licht zum Arbeiten.
  • Geduld, und davon ein bisschen.
  • Zeit. Mein erster Stern ist nie fertig geworden, den zweiten hab ich mit meiner Schwester zusammen gefaltet – wir haben zwei Stunden gebraucht. Aber je mehr Übung man hat, desto fixer geht es.
  • ein Mindestmaß an Fingerfertigkeit. Aber keine Angst, ich hab’s ja auch geschafft, und sonst bin ich doch mit meinen Händen nicht wirklich geschickt.

Hast Du das alles? Na, dann kann’s ja losgehen!

Auf in den Kampf!

Schritt 1: Das einzelne Blatt

Man nehme also das erste Blatt zur Hand und lege es vor sich auf die Faltfläche.

Dieses Blatt faltet man einmal quer.

Man faltet es wieder auf.

Die untere rechte (!) Ecke wird bis an den Mittelfalz hochgefaltet.

Das wiederholt man mit der gegenüberliegenden Ecke.

Dann dreht man das ganze um.

Eine von den umgeknickten Ecken wird jetzt wiederum an den Mittelfalz gefaltet.

Das wiederholt man auf der gegenüberliegenden Seite.

Dann dreht man das ganze wieder um.

Jetzt wird’s ein wenig kompliziert zu erklären: Der rechte Papierteil wird nach vorne heruntergeklappt, und zwar an der Linie von der unteren rechten Ecke zur von hinten nach vorne herumgeklappten Ecke. Hä? Bahnhof? Ich hoffe, das Bild sagt mehr als 1000 Worte. Auch, wenn es leicht ungünstig war, zum Vorführen ausgerechnet das gelbe Papier zu nehmen.

Gut? Ja, dann wird das wie immer an der gegenüberliegenden Seite wiederholt.

Und dann drehen wir es natürlich wieder um.

Jetzt werden nur noch die überstehenden Dinger da nach vorne gefaltet.

Und das ganze dann in der Mitte zusammengeklappt.

Schritt 2: Das Zusammensetzen

So, das machen wir jetzt zunächst mit noch zwei Blättern, damit wir drei haben.
Wenn wir drei haben, dann kommt ein Schock, denn ein Teil der Arbeit war wohl vergeblich: Wir falten bei jedem einen Teil wieder auf! Und zwar jeweils bei einem der zusammenhängenden Dreicke, so dass wir eine “Teilpyramide” erhalten.

Ich bitte um die werte Aufmerksamkeit: Da ich vielfach zu hören bekam, dass das Zusammensetzen der Sterne wohl nicht so ganz verständlich ist, habe ich mich entschieden, das noch ein wenig weiter auszuführen, als es bisher der Fall war. Antje Berger hat mir einige Bilder zur Verfügung gestellt, sodass ich mich nicht selbst erneut ans Knipsen machen muss (es sind die mit dem weißen Papier). Vielen herzlichen Dank dafür!

Wir nehmen zwei Teilpyramiden, so dass die noch zusammengefalteten Dreiecke einen Winkel von 90° Bilden.

Wir stecken die Teilpyramiden ineinander, und zwar so, dass die äußere in der Außentasche der inneren steckt. (Erwähnte ich schon, dass meine Erklärungen eher lausig ausfallen?)

Und die dritte wird auf die gleiche Weise im 90°-Winkel zur zweiten reingesteckt.

Jetzt wird’s ein wenig Fummelkram: Die überzählige Lasche von der ersten muss in die Tasche der dritten Teilpyramide, so dass wir eine dreiseitige Pyramide bekommen. Devise: Mit Gewalt geht alles!

So, der erste Zacken vom Stern ist ferig. Jetzt falte erstmal ein paar neue Blätter zurecht, die Du unten an die noch abstehenden Enden anbauen kannst, alles in der gleichen Art und Weise.

“In der gleichen Art und Weise” bedeutet: Eines der überstehenden Enden am stumpfen Ende des Zackens auffalten, …

… ein neues Teil ansetzen …

… und ein drittes …

… und wieder (wie schon beim ersten Zacken) die “überzählige” Lasche in die Tasche des ersten Teils (also dessen, der direkt am ersten Zacken “dranhängt”) hineingesteckt werden.

… und schon haben wir den zweiten Zacken drangebaut.

Wichtig ist jetzt nur noch eines: Es haben immer fünf Zacken ein gemeinsames Zentrum, um das sie sich anordnen.

Das heißt, wenn vier Spitzen fertig sind, werden die zwei losen Enden verbunden und mit nur noch einem neuen Teil zur fünften Spitze zusammengesetzt. So sieht das danach aus:

Der Rest geht quasi wie von selbst. Alles kein Problem, oder?

Schritt 3: Geschafft!

So, jetzt ist es also geschafft: Der Stern ist fertig. War doch gar nicht schwer, oder?

Ich hoffe, es hat Spaß gemacht. Zum Schluss nur noch ein ernster Hinweis: Sterne falten kann süchtig machen!

Ich danke Matthias, der mir beigebracht hat, solche schönen Sterne zu falten.

Verfasst von: Cornelia | 24. August 2011

JMJ direkt: Rolling home

So, vorbei ist er, der Weltjugendtag in Madrid – aber wie sagte schon Sepp Herberger: Nach dem WJT ist vor dem WJT. Zumindest die Jugendlichen, deren Gruppe ich mich fuer die Tage in Madrid angeschlossen habe, fingen sofort an zu planen, wie sie in zwei Jahren am besten nach Rio kommen. Es ist so schoen, jung zu sein!

Die Woche laesst sich in einem einzigen Artikel natuerlich gar nicht beschreiben. So ein riesiges Fest mit so vielen Teilnehmern! Wir waren in unserer Unterkunft ueber 330 Leute – 38 Deutsche und ca. 300 Franzosen – aber fragt bitte nicht nach der Anzahl der Toiletten und Duschen ;) Da es sich um eine Gemeinde mit eigenem Kindergarten handelte, waren zu unserer Ueberraschung die Haelfte der vorhandenen Toiletten Miniaturausgaben, was zumindest mir sehr viel Spass gemacht hat. Naja, man muss halt flexibel sein.

Wie es auf dem WJT immer so ist, hat man natuerlich unendlich viele Leute aus anderen Laendern getroffen. Die Internationalitaet des WJT laesst sich wohl mit keinem anderen Grossereignis vergleichen. Angefangen hat es selbstverstaendlich mit den spanischen Gastgebern und mit unseren franzoesischen Quartierskollegen, aber ich habe auch viele Leute aus Italien, den USA, Brasilien, Mexiko und Suedkorea gesprochen. Die Koreanerinnen waren ganz begeistert von Europa, das Essen sei ungewohnt, aber sehr lecker, die Leute so offen … wie viel von der Schwaermerei asiatische Hoeflichkeit war, kann ich nicht beurteilen, aber jedenfalls war es eine ausgesprochen freundliche Begegnung. Sie schenkten mir eine Anstecknadel ihrer Dioezese in Suedkorea, und ich erwiderte das Geschenk mit einem Aktionsarmband fuer die Freiheit, das Kreuz oeffentlich zu zeigen (maslibres.org), das mir eine Mitschwester gegeben hatte.

Die grossen Ereignisse des WJT waren wie immer voll, voll, voll – aber wie immer gingen die Massen sehr respektvoll miteinander um. Auch das unterscheidet den WJT ganz klar von anderen Großereignissen. Wenn man Bauch an Ruecken auf der Strasse steht, laesst es sich nicht immer vermeiden, dass einem auch mal auf den Fuss getreten wird oder dass man einen Ellenbogen in die Rippen bekommt. Aber der Unterschied war einfach, dass trotz der Unvermeidbarkeit hinterher eine Entschuldigung kam, ein sorgender Blick, ob der andere sich ernsthaft wehgetan hat, ein echt geschwisterlicher Umgang miteinander in der grossen Kirchenfamilie. (Von einigen Ausnahmen habe ich bei diesem WJT leider auch gehoert, die schlimmste in meinen Augen war das Beworfenwerden mit

Rucksaecke

WJT-Rucksaecke unserer Gruppe

Apfelmus (!!) – aber das waren aus meiner Sicht Einzelfaelle.) Wer dabei war und es anders erlebt hat, moege mich korrigieren – ich jedenfalls bin jedesmal wieder von den guten Umgangsformen der einzelnen ueberrascht gewesen. Auch die Gruppe untereinander hat gut funktioniert, man war fuereinander da, es wurden wechselweise die Rucksaecke bewacht oder etwas zu essen aus einem der an der Gutscheinaktion (eine fuer mein Empfinden gute Idee der Organisatoren) teilnehmenden Restaurants mitgebracht. Und wenn es einem schlecht ging, stand immer jemand troestend zur Seite.

Ein anderer Punkt, der immer wieder klasse ist, sind die Katechesen. Der WJT ist nicht irgendein Fest, sondern ein Fest des Glaubens, und der Glaube wird wirklich vertieft! So finden an drei Tagen vormittags Katechesen (=Glaubensunterweisungen) statt, die von Bischoefen der jeweiligen Landessprache abgehalten werden. Dabei treffen sich Gruppen aus ganz verschiedenen Regionen des Landes/der Sprachgruppe, bei uns war vom Bistum Osnabrueck bis ins tiefste Oesterreich eigentlich alles zu finden. Wie eigentlich immer hatten wir drei unterschiedliche Bischoefe, die zum jeweiligen Tagesthema sprachen. Natuerlich bringt jeder seine eigene Art, seine Erfahrungen und seinen Stil mit ein, kurz seine ganze Persoenlichkeit. Da ist es ganz klar, dass nicht jeder jedem gleich gut gefaellt. Aber ich war mit allen dreien, die wir “erwischt” haben, zufrieden. Am ersten Tag sprach Bischof Wiesemann von Speyer ueber das Feststehen im Glauben, am zweiten Tag Weihbischof Lackner von Graz ueber die Verwurzelung in Jesus Christus und am dritten Tag – an dem wir einmal eine andere Katechesenkirche ausgesucht hatten – Kardinal Schoenborn aus Wien. Obwohl alle wirklich sehr gut gesprochen haben (was – wie ich mich aus Koeln erinnere – nicht ganz selbstverstaendlich ist) hat fuer mich persoenlich Weihbischof Prof. Dr. Franz Lackner OFM,

Weihbischof Lackner

Weihbischof Lackner bei der Katechese

der auch in Heiligenkreuz an der Hochschule unterrichtet, eindeutig den Vogel abgeschossen. So eine lebendige, spruehende, glaubwuerdie Art mit einem Vortrag, der von eigenen Glaubenserfahrungen sprach – die Jugendlichen dankten es mit sehr langem sehr kraeftigem Applaus, und in der anschliessenden Diskussionsrunde wurde wegen der vielen Fragen und der ausfuehrlichen Antworten die vorgesehene Zeit um glatte 100% ueberzogen.

Was auf jeden Fall auch erwaehnt werden muss, ist die grosse Annahme spiritueller Angebote durch die Jugendlichen. Nicht nur die Papstmessen waren ueberfuellt, sondern auch die angebotene Messe im mozarabischen Ritus von Toledo (wo ich leider nur von hinten viele Koepfe sehen konnte und nicht einmal bis in den Innenraum vorgedrungen bin). Genauso voll war eigentlich staendig – und ich war im Laufe der Woche oft da – die Anbetungskirche der Jugend 2000. Gebeichtet wurde ebenfalls viel, auch wenn man bei manchen “Animateuren” den Eindruck hatte, sie wollten die Jugendlichen davon eher fernhalten als ihnen das Sakrament der Versoehnung nahezubringen. Aber die Jugendlichen liessen sich – zu Recht – davon nicht irre machen. Schade fand ich allerdings, dass gerade bei den zentralen Veranstaltungen alles derart mit Musik zugedroehnt wurde, dass es nicht mal mehr moeglich war, den Mitchristen anzusprechen, neben dem man gerade stand. Man kann Begegnung auch kaputtmachen. (So geschehen zumindest bei der Papstbegruessung.)

Naja, und dann kam der WJT-Abschluss auf dem Flughafengelaende Cuatro Vientos. Waren schon in der Inennstadt von Madrid die Sanitaeter, Wasserzapfstellen und die Toiletten ziemlich knapp bemessen, so steigerte sich dies in Cuatro Vientos an den Rand des Vorstellbaren. Wir hatten schon so viel Wasser mitgeschleppt, wie es nur irgendwie ging, aber wenn man 24 Stunden bei spanischer Sommerhitze von 40 Grad im Schatten ausharren soll – und zwar auf einem Feld, auf dem es keinen Schatten gibt, wo man also locker nochmal 10 Grad draufrechnen kann! – dann muss man doch literweise Wasser zur Verfuegung haben! Die Wasserzapfstellen waren wirklich viel zu knapp bemessen, und da es dort in der schlimmsten Zeit nur troepfelte, auch nicht sonderlich hilfreich. Letztendlich muss ich unsere Jugendlichen bewundern, die trotz der wirklich schweren Bedingungen froehlich und geduldig ausgeharrt haben. So wurde die Vigil trotz einem mehrere Minuten andauernden Gewitterregensturm mit Hagel zu einem Erfolg, das Schlafen im Freien wurde zum Erlebnis und die Abschlussmesse soll wohl ganz ergreifend gewesen sein. Letzteres kann ich allerdings nicht aus eigener Erfahrung sagen, da ich in dieser Zeit mit unserem Gruppenverantwortlichen ins Krankenhaus fuhr, wo einer unserer

Gebetsvigil mit Gewitterwolken

Gebetsvigil mit Gewitterwolken

Jugendlichen lag … Er war nicht der Einzige. Sehr, sehr viele waren einfach dehydriert zusammengebrochen. Die Organisation hat daran ihren Anteil gehabt, dass viele an ihrer Gesundheit verletzt wurden, und das wirft einen gewaltigen Schatten auf dieses Fest des Glaubens. Letztendlich ist aber wieder positiv zu vermerken, dass es durch den Charakter des Ereignisses eben nicht zu einer Massenpanik kam; durch die Disziplin und den Respekt der Teilnehmer wurde (noch) Schlimmeres verhindert. Moege der Gott des Himmels und der Erde das Beste daraus machen, menschliche Fehler verzeihen und alles zu einem guten Ende fuehren! Schliesslich sind wir SEINE Jugend.

Jetzt bin ich laengst wieder in Talavera bei meiner Gemeinschaft in Casa Sta. Lioba, habe also den ersten Schritt Richtung “nach Hause” getan. Gestern habe ich an einem stillen Tag begonnen, die Ereignisse des Weltjugendtags in Madrid zu reflektieren. Ich bin dankbar fuer alle Erfahrungen, fuer die geistlichen Vertiefungen, die mir auf verschiedenen Wegen zuteil wurden und vor allem fuer die Gemeinschaft. Morgen geht mein Flug zurueck nach Deutschland, wo dann der Alltag wieder losgehen wird. Gewachsen an dem Erlebnis werde ich ihn angehen, freudig in die Zukunft blickend und in Erwartung der Dinge, die noch kommen.

Verfasst von: Cornelia | 15. August 2011

JMJ direkt: Sie sind weg …

Nachdem wir gestern – ganz dem Sonntag entsprechend – im Anschluss an die Eucharistiefeier einen “Familientag” eingelegt haben und mit unseren Gaesten in die Berge gefahren sind, wo wir spazierengehen, klettern, im Bach baden, Quellwasser trinken und eine Wasserschlacht machen konnten, war heute Abschied angesagt. Am fruehen Nachmittag sind unsere Gaeste abgefahren nach Toledo, um dort die Aussendungsmesse nach Madrid mitzufeiern und morgen genau dorthin aufzubrechen. Der Abschied war sehr schoen, alle hatten sich wohlgefuehlt, so konnten wir miteinander danken und am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel die Gottesmutter bitten, alle Pilger auch weiterhin auf ihrem Weg zu begleiten.

Ich fuer meinen Teil habe mich entschieden, einen Ruhetag hier in Talavera einzulegen und dann direkt mit dem Ueberlandbus nach Madrid zu fahren. Ob ich dort Internetzugang haben werde, weiss ich noch nicht, aber wir schauen mal … Wenn nicht, guckt einfach mal, ob Ihr mich irgendwann im Fernsehen bei einer Live-Uebertragung entdeckt!

(So, jetzt muss ich meinen Rucksack packen. Und immer dran denken: In ihm verwurzelt und auf ihn gegruendet, fest im Glauben!)

Verfasst von: Cornelia | 14. August 2011

JMJ direkt: Kulturtag

Gestern war Kulturtag. Die Gruppen haben vormittags die bekannte spanische Weinmanufaktur “Osborne” besucht und sich ueber die beeindruckenden Ausmasse der Profuktion informiert. Nachmittags haben sie einen Stadtrundgang durch Talavera gemacht und im Anschluss eine Keramikwerkstatt besucht. Dort durften sie sehen, wie ein geuebter Toepfer in wenigen Minuten eine Vase modelliert, danach wie ein (darin voellig ungeuebter) Priester versucht, einen Kelch hinzubekommen. Nach Einbruch der Nacht versammelten sich alle zu einer Kreuzwegprozession, wie sie in Spanien traditionell in der Karwoche abgehalten wird: Mit ueberlebensgrossen Figuren, die durch die Strassen getragen werden. Das ganze mit einer grossen Teilnehmerzahl von 3000 Personen, alle mit Kerzen, und einer Zeitdauer von fast drei Stunden. Sehr beeindruckend fuer unsereinen.

Verfasst von: Cornelia | 12. August 2011

JMJ direkt: Alle gluecklich.

Unsere Gaeste haben sich gut eingelebt, und ausser der Hitze scheint es ihnen gut zu gehen. Am Mittwoch abend gab es bei uns in der Gemeinde eine Willkommensveranstaltung, in der sich die zusammenarbeitenden Gemeinden vorgestellt haben; anschliessend gab es ein riesiges Abendessensbuffet, zu dem alle Gastfamilien (und selbstverstaendlich auch wir) reichlich beigetragen haben. Dabei kam folgendes Foto zustande, auf dem die Aachener Gruppe, die in unserer Gemeinde zu Gast ist, mich in ihre Mitte genommen hat:

Gestern haben sich die Jugendlichen ueber soziale Projekte in Talavera informiert, dabei kamen auch zwei Gruppen in unser Haus. Ihnen haben wir die Praesentation gezeigt, die ich neulich uebersetzt habe, um danach ein wenig ins Gespraech zu kommen. Wir haben ein wenig erzaehlt, die Jugendlichen hatten auch viele Fragen, sie waren sichtlich am Schicksal der Frauen interessiert, die bei uns Aufnahme finden. Es war hat mir viel Freude gemacht, wie froehlich sie dabei waren (eine Gruppe hat zwischendurch auch immer wieder fuer uns gesungen, die waren wirklich sehr gut gelaunt!).

Zwischendurch sind diejenigen, die bei uns wohnen, und einige andere schwimmen gegangen, ausserdem konnten sie sich in einem Kaufhaus ein paar Pilger-Willkommens-Geschenke abholen, von denen das wichtigste (aber vielleicht nicht das schoenste) der Stadtplan von Talavera gewesen sein mag, sodass sie sich jetzt auch allein orientieren koennen.

Abends gab es noch eine Messe fuer alle 300 Deutschen in Talavera, die mit einer solchen Begeisterung mitgefeiert wurde, dass man manchen der Priester am Altar direkt staunen sehen konnte.

Heute sind die Gruppen nach Toledo gefahren; eigentlich wollte ich da auch mit. Aber heute nacht hatte ich derartige Magenprobleme, dass ich diese lange Fahrt (mit drei Stunden Stadtrundgang bei spanischen Temperaturen und abends noch einem Musical) weder mir antun noch die Gruppe mit einer halbkranken Begleiterin belasten wollte. So bin ich zuhause geblieben und nutze den Tag, um ein wenig auszuruhen, was auch mehr als nur ok ist. Es geht mir auch schon wieder viel besser.

Verfasst von: Cornelia | 10. August 2011

JMJ direkt: Die Gaeste sind da!

Heute sind sie also angekommen … Unsere deutschen Gaeste aus der Dioezese Aachen. “Unsere” sage ich, obwohl ich ja eigentlich selbst Gast bin, aber ich bin so eingebunden, dass ich mich gleichzeitig als Gastgeberin fuehle. Denn dadurch, dass ich Deutsch und Spanisch spreche, bin ich als Ansprechpartnerin fuer beide Seiten sehr gefragt.

Morgens gegen 9 kam der Anruf (was hat man eigentlich vor Handy-Zeiten gemacht?), dass der Bus sehr gut durchgekommen ist und dass die Gaeste statt um 15 Uhr schon gegen 12:30 ankommen werden. Also haben wir die letzten Vorbereitungen etwas schneller gemacht als geplant, die letzten Betten bezogen, Willkommensgruesse auf den Zimmern verteilt (Karten und kleine typisch talaveranische Keramikschuesselchen mit Bonbons), eingekauft, ein zusaetzliches Mittagessen gekocht usw. usf. Um 12:15 ging ich zur Kirche, habe dort mit dem Pfarrer ein paar Last-Minute-Absprachen getroffen, nochmal die Familienverteilung geaendert, mich ueber die Busparkplaetze aufklaeren lassen … Als nach und nach die Gastfamilien ankamen, konnte ich alte Bekannte begruessen, die ich noch nicht gesehen habe, seit ich wieder hier bin.

Und dann kam der Bus. Zuerst habe ich mit den Verantwortlichen gesprochen, den Busfahrern erklaert, wo der Busparkplatz ist, dann gesagt, wohin das Gepaeck ausgeladen werden sollte … Danach haben wir in der Kirche die Gaeste begruesst (der Pfarrer hat gesprochen, ich habe uebersetzt), erste organisatorische Ansagen gemacht … das dauerte knappe 2 Stunden. Als das alles passiert war, konnte ich endlich unsere Gruppe (12 Personen) mit nach Hause in die Casa Santa Lioba nehmen, wo laengst das Mittagessen wartete. Aber erstmal haben sich alle frisch gemacht, dann bekamen die Gaeste zu essen, anschliessend haben sie uns ganz viele Gastgeschenke ueberreicht und einen Brief von ihrem Bischof und einen von den Dekanen aus den Regionen, aus denen sie kommen. Sie wollten auch viel wissen, ueber das Haus und unsere Gemeinschaft und alles, und so fing die Siesta heute etwas spaeter an …

Alle sind sehr nett, sehr freundlich, ich freue mich total auf die Tage, die vor uns liegen. Das wird gaaanz schoen!

Heute abend ist noch eine Heilige Messe in der Gemeinde und ein grosser Willkommensakt, in dem sich die drei zusammenarbeitenden Gemeinden vorstellen und es ein gemeinsames Abendessen gibt.

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