Verfasst von: Cornelia | 17. Juli 2010

Was mach ich hier eigentlich?

Oft schon wurde ich gefragt, warum mich die Gemeinschaft „ausgerechnet“ nach Spanien geschickt hat zum Postulat. Ja, warum eigentlich? Das Postulat ist eine Zeit des vertieften Kennenlernens, und in meinem Fall bedeutet das sicher auch: des vertieften Kennenlernens einer anderen Gruppe als der im Zentrum der Gemeinschaft in Detmold, denn da war ich schon oft und kenne schon viele Leute. Außerdem wurde aber wohl auch nach meinen Fähigkeiten und Interessen geschaut. Dass ich mich sehr für verschiedene Kulturen interessiere und es fast schon zu einem Hobby erklärt habe, Fremdsprachen zu lernen, spielt sicher mit hinein. Dass ich schon vorher rudimentäre Spanischkenntnisse hatte und nicht ganz bei 0 anfangen musste (sondern bei 0,0000001) auch. Und dass ich Jura studiert und mich auf internationales Recht, insbesondere den internationalen Menschenrechtsschutz, spezialisiert habe, auch.

Was hat das mit Talavera de la Reina zu tun? Nun, hier hat die Gemeinschaft ein Projekt laufen, in einem Haus, das sich „Casa Santa Lioba“ nennt. (Zur heiligen Lioba schreibe ich vielleicht später nochmal was.) Hier ist eine unserer Gruppen, in der Frauen gemeinsam leben, beten und arbeiten, unter anderem in besagtem Projekt. Das Projekt besteht darin, Immigrantinnen aufzunehmen. Alleinstehende, Schwangere, Frauen mit kleinen Kindern. Ihnen wird ein Dach über dem Kopf gegeben, sie erhalten Hilfe bei Behördengängen, Hilfe zum Lebensunterhalt, Hilfe beim Erlernen der Sprache und – nicht zuletzt, sondern eigentlich vor allem – eine Begleitung in einer schwierigen Zeit, jemanden, der mit ihnen geht und sie versteht, der sie willkommen heißt und annimmt. Ich weiß nicht, ob sie wissen, dass wir auch für sie beten. Die Frauen, die zu uns kommen, sind sehr verschieden. Sie kommen aus verschiedenen Ländern, verschiedenen Kulturen, mit verschiedenen Religionen, mit verschiedenen Voraussetzungen. Allen gemein ist, dass sie eine Starthilfe brauchen, um sich in ihrem neuen Leben in Spanien zurechtzufinden.

Das zu erfahren, zu erleben, ist für mich eine große Chance. Vieles, was ich im Studium in Büchern gelesen habe, wird hier ganz plötzlich lebendig. Die Fälle bekommen ein Gesicht und einen Namen. Bisher bin ich zwar im wesentlichen damit beschäftigt, die Sprache zu erlernen, aber dadurch habe ich manchmal sogar einen guten Zugang zu Frauen, wenn sie sehen, dass ich zumindest eine ihrer Herausforderungen teile. Ich rede gern mit ihnen, besonders mag ich die Kinder. Kleine Wunder. Und so bin ich gespannt, was hier in Talavera in der Casa Santa Lioba noch auf mich zukommt.

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Responses

  1. Klingt schön und sinnvoll! Ich wünsche eine gute Zeit und Gottes Segen!

    • Vielen Dank für die Segenswünsche. (Und falls irgendwann mal Gebetszeit übrig bleibt: Ich kann’s brauchen, genauso unser Projekt hier …)

  2. Ich habe mich schon öfters gefragt, was Du in Spanien so treibst und abgewartet, bis Du drüber erzählst.
    Das Projekt klingt spannend und es scheint wirklich so, als ob Du viele Deiner Gaben und Fähigkeiten einbringen könntest.

    Gottes Segen Euch allen!

    • Naja, erstmal bin ich ja nur Postulantin und trage keinerlei Verantwortung, daher ist auch ein Einbringen der Fähigkeiten begrenzt. Aber die Sachen, die ich machen kann, machen mir sehr viel Freude.

  3. […] kaum etwas geändert hat. Ich fühle mich, als wäre ich nie weggewesen und könnte sofort in meine alten Tätigkeiten wieder einsteigen. Zum Teil tu ich das auch, weil hier gerade viele in Urlaub sind und jede […]

  4. […] auf den Beginn der Hl. Messe. Auf dem Tisch stand die von einer spanischen Mitschwester (in Spanien hatte ich ja das erste halbe Jahr in der Gemeinschaft verlebt) sehr liebevoll und wunderschön für mich […]


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