Verfasst von: Cornelia | 2. September 2010

In der Kleiderkammer

aus der KleiderkammerEine meiner Aufgaben hier in der Casa Santa Lioba besteht darin, täglich eine Stunde in unserer hausinternen Kleiderkammer zu helfen. Diese haben wir, weil die Frauen manchmal ohne adäquate Kleidung bei uns ankommen bzw. ab und an etwas neues benötigen, weil die Kinder aus ihren Sachen herauswachsen, weil ehemalige Hausbewohner oder andere Bedürftige uns fragen, ob wir nicht etwas für sie hätten, das sie sich selbst nicht kaufen können.

In Talavera scheint es ziemlich bekannt zu sein, dass wir hier Kleidung gern annehmen. Daher vergeht kein Tag, meist auch kein Sams- oder Sonntag, an dem es nicht an der Tür klingelt, weil jemand etwas abzugeben hat. Die Leute bringen alles. Zuallererst natürlich Kleidung, aber auch Kinderwagen, Kuscheltiere, Spielsachen, Haushaltsgeräte, übrig gebliebene Babywindeln und jede Menge Tinnef. Die Arbeit besteht darin, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wir bewahren alles auf, was für uns von Nutzen ist: Gut erhaltene Damen- und Kinderkleidung, insbesondere Schuhe, Babyartikel aller Art, vernünftiges und gut erhaltenes Spielzeug, Hand- und Reisetaschen. Herrenkleidung ist für uns nicht von Nutzen, allenfalls können wir sie bestimmten bedürftigen Bekannten weitergeben. Der Rest geht an die Kleiderkammer der Caritas. Außerdem geht alles an Kleidung, was wir nicht gebrauchen können, an die Caritas. Manche Sachen tun wir auch direkt in den Müll – unvollständiges Spielzeug zum Beispiel, das zu nichts mehr zu gebrauchen ist.

Das Sortieren an sich ist oft sehr schön, das Auspacken der vorbeigebrachten Taschen und Kartons ist ein bisschen wie Geburtstag … Insbesondere die Kinderkleidung ist oft schön anzusehen. Manchmal sind die Sachen aber auch ekelhaft. Die Leute bringen zum Teil zerlöcherte oder, noch schlimmer, ungewaschene Kleidung vorbei. Manchmal merkt man es nur an den gebrauchten Papiertaschentüchern, denen man ein frisch-gewaschen-sein ja ansehen müsste, manchmal stinkt der Stoff auch richtig. Kleidung, die nicht mehr zu gebrauchen ist, geben wir an die Caritas zum Recycling. Viele Sachen dienen dann wenigstens noch als Füllung für Autositze.

Die beinahe größte Herausforderung an unserer Arbeit ist, am Ende der täglichen Arbeit (meistens sind wir zu dritt) die für gut befundenen Teile, die nicht sofort an eine unserer Bewohnerinnen weitergegeben werden, in der Kleiderkammer unterzubringen. Denn dabei handelt es sich um einen nicht allzu großen Raum, dessen Wände mit Schränken, Regalen und Kleiderhaken voll belegt sind. Wir wissen vorher nie, wer zu uns kommt, kleine, große, dicke, dünne oder schwangere Frauen, wie ihr bevorzugter Kleidungsstil ist (die Musliminnen zum Beispiel tragen draußen fast nie Kurzärmliges, andere Leute tragen hier im Sommer am liebsten überhaupt keine Ärmel …), welche Schuhgröße sie haben und welchen Alters und Geschlechts ihre Kinder sind. Genausowenig wissen wir, ob Sommer oder Winter ist, wenn sie kommen, also bewahren wir Kleidung für jede Saison auf – vom Badeanzug bis zum dicken Wintermantel. Und wenn uns ein Schulranzen geschenkt wird, muss der auch irgendwohin, denn das nächste Schulkind kommt bestimmt – zumal die Kinder in Spanien schon mit 3 eingeschult werden.

Insgesamt ist es eine Arbeit, die mir Freude macht – weil sie sinnvoll ist. Wenn wir das Leuchten in den Augen sehen, weil wir jemandem etwas Benötigtes geben können, dann weiß ich: Es ist gut, dass wir unsere Kleiderkammer haben, und es ich bin dankbar, dass uns so viele Leute helfen, sie zu füllen.

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Responses

  1. […] der Hl. Messe. Auf dem Tisch stand die von einer spanischen Mitschwester (in Spanien hatte ich ja das erste halbe Jahr in der Gemeinschaft verlebt) sehr liebevoll und wunderschön für mich […]


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