Verfasst von: Cornelia | 8. September 2010

Fest ULF der Jungfrau vom Prado

Heute ist ja bekanntlich Mariä Geburt, aber darüber haben in der Blogözese schon andere geschrieben. Ich will vielmehr von dem Patronat der Stadt Talavera berichten, das wir heute ebenfalls feiern. Denn Maria ist die Patronin Talaveras, besser gesagt: Nuestra Señora la Virgen del Prado, also etwa Unsere Liebe Frau die Jungrau vom Prado. (Prado bedeutet so ungefähr Wiese, aber ich glaube, das ist hier mehr als Eigenname zu sehen.)  Die gleichnamige Kirche, die 1989 von Papst Johannes Paul II. zur Basilica Minor erhoben wurde, war früher der römischen Gottheit Ceres, der Göttin des Ackerbaus, der Fruchtbarkeit und der Ehe geweiht und wurde im Jahre 602 christianisiert. Die heutige Erscheinungsform der Basilika ist eine Verbindung aus Renaissance und Barock, und wenn man hineingeht, weiß man bald ziemlich genau, warum sie auch als „Sixtinische Kapelle der Keramik“ bezeichnet wird. Talavera ist ja durch seine Manufakturen auch eine Keramikstadt, das merkt man eigentlich in allen Kirchen und überhaupt an sehr vielen Straßen und Häusern der Stadt und der näheren Umgebung. Aber der Prado übertrifft sie alle.

Über die Herkunft des verehrten Bildes der Jungfrau vom Prado (übrigens mit 25 cm Höhe sehr klein, man kann es aus den vorderen Kirchenbänken nur erahnen) gibt es verschiedene Legenden. Die bekannteste von ihnen besagt, dass der westgotische König Liuva  es der Stadt Talavera  im 7. Jahrhundert in Anerkennung ihrer Leistung bei der Bekämpfung der Arianischen Irrlehren schenkte, die die Mutterschaft Mariä gegenüber dem Menschen Jesus bejahten, die Gottesmutterschaft Mariä aber verneinten.  Andere sagen jedoch auch, dass diese Darstellung typischer Stil des 10. Jahrhunderts sei. Jedenfalls ist sie also sehr, sehr alt. Die Köpfe von Jungfrau und Kind waren zwischenzeitlich komplett zerstört und mussten im Rahmen einer Restaurierung im Jahre 1888 aus Kastanienholz neu gefertigt werden. Das Fest der Virgen del Prado wird also am 8. September gefeiert, sie ist aber – wie ich selbst schon erfahren habe – auch im täglichen Leben der Talaveraner sehr präsent. Wenn man auf Reisen geht oder wiederkommt, erweist man ihr die Ehre. Egal, ob man ansonsten praktizierend ist oder nicht. Auch die in Talavera geborenen Kinder werden traditionell der Jungfrau vorgestellt, um sie ihrem Schutz zu empfehlen.* Auch wird natürlich der Marienmonat Mai festlich begangen, genauso wie die Novene vor dem Fest des 8. September.

Übrigens war ich mit zwei Mitschwestern** vorgestern auch bei dem Novenengebet, es war nämlich vorgestern verbunden mit einer  Messe um geistliche Berufungen. Ich habe staunend gesehen, wie die Spanier diese Novene feiern: Zuerst der Rosenkranz, der hier in Spanien um eine lauretanische Litanei, viele Anrufungen, Vaterunser und Aves erweitert ist. Dann die Messe, zelebriert von einem Bischof, mit sehr langer Predigt  über Maria, über alles, was man aus der Bibel über sie weiß und noch viel mehr. Und danach kam dann die Novene, mit vielen Ave, Vaterunser, anderen Gebeten und Gesängen. Das ganze dauert annähernd zwei Stunden, damit hatte ich vorher nicht gerechnet. Aber den Talaveranern gefällt’s, die Kirche war gut gefüllt, wenn auch nicht proppe – das wird sie aber sicher heute zur Festmesse gewesen sein. Die haben wir leider verpasst, wir hatten uns in der Uhrzeit geirrt. Aber dafür habe ich heute dann die Messe in einem Anbetungskloster ganz in der Nähe von uns mitgefeiert, das war ebenfalls wunderschön und feierlich. Denn feiern tut heute wirklich ganz Talavera de la Reina.

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*(Ob das allerdings auch mit den beiden kleinen muslimischen Babies passieren wird, die wir hier im Haus sehnlichst erwarten, eins Anfang Oktober, das andere Ende November – das wage ich doch zu bezweifeln.)
**(Die Rechtschreibprüfung von WordPress möchte hier gern „Diätschwestern“ oder „Betschwestern“ sehen.)

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Responses

  1. Hey Cornelia, mit Interesse habe ich grade deinen Blog gelesen (muss doch wissen was du so tust ^^ ) und nun drängt sich mir eine Frage auf, auf die ich schon lange gerne eine Antwort hätte; wie kommt es, das man Personenkult betreibt, wo sich die Kirche doch so gegen das Götzentum ausspricht (siehe auch die Bibel). Ich kann respektieren, wenn man an einen Schöpfer glauben will, aber warum betet man zu Personen???

    Liebe Grüße nach Spanien, deine immerkritische Evensong 😛

    • Lieber Hausdrachen, geneigte Evensong,
      ich versuche mich mal an einer Antwort. Also, was zu unterscheiden ist, ist „anbeten“ auf der einen und „beten zu“ auf der anderen Seite. Katholiken beten den dreifaltigen Gott (Vater, Sohn und Heiligen Geist) an und sonst niemanden. Dennoch beten wir nicht unbedingt immer nur zu Gott, sondern auch zu allen Heiligen, besonders zu Maria. Warum? Weil wir an die Auferstehung der Toten glauben, und weil wir auch glauben, dass die Heiligen bei Gott für uns Fürsprache einlegen können. So wie ich einen Freund bitten kann, für mich zu Gott zu beten, so kann ich auch die Gottesmutter Maria oder einen anderen Heiligen bitten, für mich bei Gott Fürsprache einzulegen. Das ist eine Verbundenheit der Gemeinschaft der Glaubenden, die über den Tod hinausgeht – ich wende mich mit der Bitte um Hilfe an sie und sie treten vor Gott für mich ein – und damit ist es für mich etwas sehr Schönes. Denn Christus hat nach unserem Glauben den Tod besiegt, dieser stellt keine Grenze mehr dar. Somit ist die Verehrung der Heiligen und die Bitte an sie, für uns einzutreten, kein Götzenkult. Genausowenig wie wenn ich hinterher aus Dankbarkeit vielleicht Blumen zu einer Heiligenfigur bringe. Es ist einfach nur ein Zeichen der Gemeinschaft.

      Beantwortet das Deine Frage?

      • Tut es. Danke dir 🙂 *zurückverneig*

  2. […] der Hl. Messe. Auf dem Tisch stand die von einer spanischen Mitschwester (in Spanien hatte ich ja das erste halbe Jahr in der Gemeinschaft verlebt) sehr liebevoll und wunderschön für mich gestaltete […]


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