Verfasst von: Cornelia | 9. Oktober 2010

Freitagsgebet

Lasst Euch von der Überschrift nicht irritieren, ich bleibe katholisch. 😉

Mitten in der Welt zu leben heißt für uns hier in Talavera auch ganz konkret, beim Gebet nicht immer zuhause zu bleiben. Wir begleiten und unterstützen beispielsweise auch eine Gruppe aus unserer Kirchengemeinde „zu den Heiligen Märtyrern“ – von denen schreibe ich, wenn mir Zeit bleibt, auch irgendwann mal – die sich jeden Freitag trifft, um gemeinsam die Vesper zu beten und einen kurzen geistlichen Impuls zu hören und zu besprechen. Diese Gruppe ist vor etwa sieben Jahren von einer Mitschwester gegründet worden, die kurz darauf nach Guatemala versetzt wurde und mittlerweile wieder hier in Spanien lebt. So wurde sie nicht durchgängig von derselben Mitschwester begleitet, aber jemand von uns ist eigentlich immer dabei. Diese Gruppe begann als „Gruppe von Ehepaaren“, aber da im Laufe der Jahre eine Veränderung der Gruppenstruktur stattfand und nicht mehr ausschließlich Ehepaare daran teilnehmen, änderte sich der Name mit der Zeit über „Erwachsenengruppe“ zur „Vespergruppe“.

Es ist für mich wunderschön zu sehen, wie diese Gruppe sich mit der anfangs ungewohnten Gebetsform vertraut gemacht hat, und es freut mich auch, dass nach und nach viele der Beteiligten die Gruppe zu sich nach Hause einladen. So ist es irgendwie auch ein Hauskreis, ein enger Freundeskreis. Über diese Gruppe habe ich auch sehr schnell in die Gemeinde hineingefunden und fühle mich mittlerweile ganz zuhause. Sie mögen unsere Gemeinschaft nämlich sehr und nehmen jede, die neu kommt, herzlich auf. Manchmal, wenn vor oder nach dem Gebet alles durcheinander redet und lacht, wie das hier in Spanien nun einmal ist, ruft jemand die anderen zur Ordnung, weil sie sich daran erinnern, dass es für mich sehr schwer ist, diesem lebhaften Gespräch zu folgen. Mich stört das zwar eigentlich nicht, denn ich genieße dann einfach das vertraute Miteinander, aber ich freue mich doch sehr über diese Geste der Annahme und der Aufmerksamkeit. Aber auch darüber, dass in dieser Gruppe jeder die Gebetsanliegen der anderen mitträgt und dass vielfach auch gegenseitig zum Engagement für andere ermutigt wird. So sind viele der Teilnehmer mittlerweile an der Kinderkatechese in der Gemeinde beteiligt, singen im Chor mit, arbeiten freiwillig in der Kleiderkammer der Caritas oder übernehmen andere Aufgaben.

Manchmal denke ich mir: So muss Urkirche gewesen sein. Ich freue mich, dass wir als Gemeinschaft diese Gruppe mittragen und im Gebet und durch unser Mit-Beten begleiten können.

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Responses

  1. Klingt gut! Danke für die Schilderung.

  2. […] Messe. Auf dem Tisch stand die von einer spanischen Mitschwester (in Spanien hatte ich ja das erste halbe Jahr in der Gemeinschaft verlebt) sehr liebevoll und wunderschön für mich gestaltete Professkerze, […]


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