Verfasst von: Cornelia | 24. Januar 2011

Beginn der Formungszeit

Jetzt ist es schon über eine Woche her, dass ich meine Formungszeit (Noviziat) begonnen habe. Das war der nächste Schritt in die Gemeinschaft hinein, und ich tat ihn in der Vesper am 15. Januar, dem Fest der hll. Placidus und Maurus.

Alles begann mit einem Einkehrtag (zu dem ich etwas zu spät ankam, da unser kleines Auto ein großes Problem hatte unterwegs – erst ruckelte es komisch, dann roch es nach verbranntem Gummi: Die Bremsen hatten sich festgefahren – aber wir hatten Glück im Unglück, waren noch nicht auf der Autobahn, kamen sofort an eine Autowerkstatt, die unser Auto auch noch Freitag kurz vor Feierabend angenommen hat, und in der Nähe war auch noch ein McDonald’s, so dass wir sogar ein warmes Plätzchen und etwas in den Magen bekamen; es waren also nur ein paar Stunden Verspätung und ein paar hundert Euro und nichts schlimmeres).
Also begann der Einkehrtag einfach etwas später. War auch nicht schlimm, es war noch genug Puffer eingeplant, dass er auch ein paar Stunden später enden konnte als geplant, er ging dann eben bis eine Stunde vor der Vesper. So hatte ich vorher wenigstens nicht so viel Zeit, aufgeregt zu sein.
Im Vergleich mit anderen Gemeinschaften ist der Beginn der Formungszeit bei uns eher unspektakulär: Da wir keine Gemeinschaftskleidung haben, konnte ich auch nicht eingekleidet werden. Mir wurden auch keine Haare abgeschnitten und kein äußeres Zeichen verliehen. Bis zur Lesung lief die Vesper ganz normal, abgesehen davon, dass ich selbst Lektorin sein durfte und die Lesung auch selbst ausgesucht hatte. Die Verse aus Jer 1,6-8 waren es, ich finde, sie passen sehr gut.

1:6 Da sagte ich: Ach, mein Gott und Herr, ich kann doch nicht reden, ich bin ja noch so jung.
1:7 Aber der Herr erwiderte mir: Sag nicht: Ich bin noch so jung. Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, das sollst du verkünden.
1:8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin mit dir um dich zu retten – Spruch des Herrn.

Zu dieser Lesung hielt unsere Institutsverantwortliche Frau Laumann dann eine sehr bewegende Ansprache, in der sie anhand der Jeremia-Lesung und anderer Propheten (Mose und Amos) verdeutlichte, dass man vor der Berufung auch erst einmal zurückschrecken kann. Doch gebe die Zusage „ich bin mit dir, um dich zu retten“, die eigenen Schwächen im Vertrauen auf den Herrn zu überwinden und sich ihm zu überlassen – mit der ganzen Kraft und Glut des eigenen Herzens. Sicher kann dies auch mal schwierig sein, aber der Hl. Benedikt sagt uns in seiner Ordensregel, wir sollen uns in diesem Fall nicht von Angst verwirren lassen und vom Weg des Heils fliehen, denn er könne am Anfang nicht anders sein als eng (Prolog 47 f.). Zu guter letzt verlas sie noch einmal die Lesung und gab mir das „Fürchte dich nicht, denn ER ist mit dir“ mit auf den Weg.

Im Anschluss an die Ansprache erfolgte die Aufnahme in die Formungszeit. Dazu wurde ich zuerst in einem Skrutinium befragt, was ich erbitte und ob ich bereit bin, in der Formungszeit meine Berufung zum Leben in der Gemeinschaft zu prüfen. Danach wurden mir die Regel des Hl. Benedikt und die Konstitutionen der Gemeinschaft überreicht und ich wurde offiziell aufgenommen.

Im Anschluss bekam ich dann noch einen neuen Patron mit auf den Weg, ebenfalls in Verbindung mit einer Ansprache, die die Ausbildungsleiterin Frau Kerpen hielt. Danach ging die Vesper „normal“ mit Magnificat, Fürbitten und Vaterunser weiter, aber ich fühlte mich natürlich gar nicht mehr normal. Es war doch eine ganz besondere Vesper, die ich nicht wieder vergessen werde.

Im Anschluss an die Vesper wurde ich dann von allen erwartet, man gratulierte mir mit einem Lied, und dann jede einzeln mit dem „Pax“, dem Friedensgruß. Das dauerte schon ein bisschen länger, aber es war dem Anlass auf jeden Fall angemessen. Beim Abendessen saß ich dann mit am Tisch von Frau Laumann, dort saßen dann auch meine Mitschwestern aus Münster und ein paar, die mir besonders nahestehen. Abends in der Rekreation wurde auch noch einmal mit einer Geschichte und Punsch gefeiert. Und Post hab ich bekommen!! Ganz viel, aus allen europäischen Gruppen der Gemeinschaft war was dabei, aber auch aus Ruanda und Guatemala kamen schriftliche Glück- und Segenswünsche. Auch meine Familie hat mir geschickt, und meine Mutter hat eine wunderschöne Hülle für mein Stundenbuch genäht.

Jetzt hat auch das Leben der Formungszeit begonnen: Ich stehe eine halbe Stunde früher auf als vorher, da ich als Novizin jetzt mit meinen Mitschwestern vor den Laudes Betrachtung halte. Und ich bekomme jeden Tag Unterricht, habe aber auch Studierzeiten für mich allein und werde in Kürze anfangen, mich ehrenamtlich zu engagieren.

So hat ein neuer Abschnitt begonnen. Ich freue mich riesig darüber, wieder einen Schritt weiter zu sein auf dem Weg, denn mich der Herr führt.

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Responses

  1. Alle guten Wünsche zu diesem neuen Schritt auf dem Weg! Die Hll. Maurus und Placidus sind natürlich ganz besonders passend für einen solchen Beginn.


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