Verfasst von: Cornelia | 24. August 2011

JMJ direkt: Rolling home

So, vorbei ist er, der Weltjugendtag in Madrid – aber wie sagte schon Sepp Herberger: Nach dem WJT ist vor dem WJT. Zumindest die Jugendlichen, deren Gruppe ich mich für die Tage in Madrid angeschlossen habe, fingen sofort an zu planen, wie sie in zwei Jahren am besten nach Rio kommen. Es ist so schön, jung zu sein!

Die Woche lässt sich in einem einzigen Artikel natürlich gar nicht beschreiben. So ein riesiges Fest mit so vielen Teilnehmern! Wir waren in unserer Unterkunft über 330 Leute – 38 Deutsche und ca. 300 Franzosen – aber fragt bitte nicht nach der Anzahl der Toiletten und Duschen 😉 Da es sich um eine Gemeinde mit eigenem Kindergarten handelte, waren zu unserer Überraschung die Hälfte der vorhandenen Toiletten Miniaturausgaben, was zumindest mir sehr viel Spaß gemacht hat. Naja, man muss halt flexibel sein.

Wie es auf dem WJT immer so ist, hat man natürlich unendlich viele Leute aus anderen Ländern getroffen. Die Internationalität des WJT lässt sich wohl mit keinem anderen Großereignis vergleichen. Angefangen hat es selbstverständlich mit den spanischen Gastgebern und mit unseren französischen Quartierskollegen, aber ich habe auch viele Leute aus Italien, den USA, Brasilien, Mexiko und Südkorea gesprochen. Die Koreanerinnen waren ganz begeistert von Europa, das Essen sei ungewohnt, aber sehr lecker, die Leute so offen … wie viel von der Schwärmerei asiatische Höflichkeit war, kann ich nicht beurteilen, aber jedenfalls war es eine ausgesprochen freundliche Begegnung. Sie schenkten mir eine Anstecknadel ihrer Diözese in Südkorea, und ich erwiderte das Geschenk mit einem Aktionsarmband für die Freiheit, das Kreuz öffentlich zu zeigen (maslibres.org), das mir eine Mitschwester gegeben hatte.

Die großen Ereignisse des WJT waren wie immer voll, voll, voll – aber wie immer gingen die Massen sehr respektvoll miteinander um. Auch das unterscheidet den WJT ganz klar von anderen Großereignissen. Wenn man Bauch an Rücken auf der Straße steht, lässt es sich nicht immer vermeiden, dass einem auch mal auf den Fuß getreten wird oder dass man einen Ellenbogen in die Rippen bekommt. Aber der Unterschied war einfach, dass trotz der Unvermeidbarkeit hinterher eine Entschuldigung kam, ein sorgender Blick, ob der andere sich ernsthaft wehgetan hat, ein echt geschwisterlicher Umgang miteinander in der großen Kirchenfamilie. (Von einigen Ausnahmen habe ich bei diesem WJT leider auch gehört, die schlimmste in meinen Augen war das Beworfenwerden mit

Rucksaecke

WJT-Rucksäcke unserer Gruppe

Apfelmus (!!) – aber das waren aus meiner Sicht Einzelfälle.) Wer dabei war und es anders erlebt hat, möge mich korrigieren – ich jedenfalls bin jedesmal wieder von den guten Umgangsformen der einzelnen überrascht gewesen. Auch die Gruppe untereinander hat gut funktioniert, man war füreinander da, es wurden wechselweise die Rucksäcke bewacht oder etwas zu essen aus einem der an der Gutscheinaktion (eine für mein Empfinden gute Idee der Organisatoren) teilnehmenden Restaurants mitgebracht. Und wenn es einem schlecht ging, stand immer jemand tröstend zur Seite.

Ein anderer Punkt, der immer wieder klasse ist, sind die Katechesen. Der WJT ist nicht irgendein Fest, sondern ein Fest des Glaubens, und der Glaube wird wirklich vertieft! So finden an drei Tagen vormittags Katechesen (=Glaubensunterweisungen) statt, die von Bischöfen der jeweiligen Landessprache abgehalten werden. Dabei treffen sich Gruppen aus ganz verschiedenen Regionen des Landes/der Sprachgruppe, bei uns war vom Bistum Osnabrück bis ins tiefste Österreich eigentlich alles zu finden. Wie eigentlich immer hatten wir drei unterschiedliche Bischöfe, die zum jeweiligen Tagesthema sprachen. Natürlich bringt jeder seine eigene Art, seine Erfahrungen und seinen Stil mit ein, kurz seine ganze Persönlichkeit. Da ist es ganz klar, dass nicht jeder jedem gleich gut gefällt. Aber ich war mit allen dreien, die wir „erwischt“ haben, zufrieden. Am ersten Tag sprach Bischof Wiesemann von Speyer über das Feststehen im Glauben, am zweiten Tag Weihbischof Lackner von Graz über die Verwurzelung in Jesus Christus und am dritten Tag – an dem wir einmal eine andere Katechesenkirche ausgesucht hatten – Kardinal Schönborn aus Wien. Obwohl alle wirklich sehr gut gesprochen haben (was – wie ich mich aus Köln erinnere – nicht ganz selbstverständlich ist) hat für mich persönlich Weihbischof Prof. Dr. Franz Lackner OFM,

Weihbischof Lackner

Weihbischof Lackner bei der Katechese

der auch in Heiligenkreuz an der Hochschule unterrichtet, eindeutig den Vogel abgeschossen. So eine lebendige, sprühende, glaubwürdige Art mit einem Vortrag, der von eigenen Glaubenserfahrungen sprach – die Jugendlichen dankten es mit sehr langem sehr kräftigem Applaus, und in der anschließenden Diskussionsrunde wurde wegen der vielen Fragen und der ausführlichen Antworten die vorgesehene Zeit um glatte 100% überzogen.

Was auf jeden Fall auch erwähnt werden muss, ist die große Annahme spiritueller Angebote durch die Jugendlichen. Nicht nur die Papstmessen waren überfüllt, sondern auch die angebotene Messe im mozarabischen Ritus von Toledo (wo ich leider nur von hinten viele Köpfe sehen konnte und nicht einmal bis in den Innenraum vorgedrungen bin). Genauso voll war eigentlich ständig – und ich war im Laufe der Woche oft da – die Anbetungskirche der Jugend 2000. Gebeichtet wurde ebenfalls viel, auch wenn man bei manchen „Animateuren“ den Eindruck hatte, sie wollten die Jugendlichen davon eher fernhalten als ihnen das Sakrament der Versöhnung nahezubringen. Aber die Jugendlichen ließen sich – zu Recht – davon nicht irre machen. Schade fand ich allerdings, dass gerade bei den zentralen Veranstaltungen alles derart mit Musik zugedröhnt wurde, dass es nicht mal mehr möglich war, den Mitchristen anzusprechen, neben dem man gerade stand. Man kann Begegnung auch kaputtmachen. (So geschehen zumindest bei der Papstbegrüßung.)

Naja, und dann kam der WJT-Abschluss auf dem Flughafengelände Cuatro Vientos. Waren schon in der Inennstadt von Madrid die Sanitäter, Wasserzapfstellen und die Toiletten ziemlich sparsam bemessen, so steigerte sich dies in Cuatro Vientos an den Rand des Vorstellbaren. Wir hatten schon so viel Wasser mitgeschleppt, wie es nur irgendwie ging, aber wenn man 24 Stunden bei spanischer Sommerhitze von 40 Grad im Schatten ausharren soll – und zwar auf einem Feld, auf dem es keinen Schatten gibt, wo man also locker nochmal 10 Grad draufrechnen kann! – dann muss man doch literweise Wasser zur Verfügung haben! Die Wasserzapfstellen waren wirklich viel zu knapp, und da es dort in der schlimmsten Zeit nur tröpfelte, auch nicht sonderlich hilfreich. Letztendlich muss ich unsere Jugendlichen bewundern, die trotz der wirklich schweren Bedingungen fröhlich und geduldig ausgeharrt haben. So wurde die Vigil trotz einem mehrere Minuten andauernden Gewitterregensturm mit Hagel zu einem Erfolg, das Schlafen im Freien wurde zum Erlebnis und die Abschlussmesse soll wohl ganz ergreifend gewesen sein. Letzteres kann ich allerdings nicht aus eigener Erfahrung sagen, da ich in dieser Zeit mit unserem Gruppenverantwortlichen ins Krankenhaus fuhr, wo einer unserer

Gebetsvigil mit Gewitterwolken

Gebetsvigil mit Gewitterwolken

Jugendlichen lag … Er war nicht der Einzige. Sehr, sehr viele waren einfach dehydriert zusammengebrochen. Die Organisation hat daran ihren Anteil gehabt, dass viele an ihrer Gesundheit verletzt wurden, und das wirft einen gewaltigen Schatten auf dieses Fest des Glaubens. Letztendlich ist aber wieder positiv zu vermerken, dass es durch den Charakter des Ereignisses eben nicht zu einer Massenpanik kam; durch die Disziplin und den Respekt der Teilnehmer wurde (noch) Schlimmeres verhindert. Möge der Gott des Himmels und der Erde das Beste daraus machen, menschliche Fehler verzeihen und alles zu einem guten Ende führen! Schließlich sind wir SEINE Jugend.

Jetzt bin ich längst wieder in Talavera bei meiner Gemeinschaft in Casa Sta. Lioba, habe also den ersten Schritt Richtung „nach Hause“ getan. Gestern habe ich an einem stillen Tag begonnen, die Ereignisse des Weltjugendtags in Madrid zu reflektieren. Ich bin dankbar für alle Erfahrungen, für die geistlichen Vertiefungen, die mir auf verschiedenen Wegen zuteil wurden und vor allem für die Gemeinschaft. Morgen geht mein Flug zurück nach Deutschland, wo dann der Alltag wieder losgehen wird. Gewachsen an dem Erlebnis werde ich ihn angehen, freudig in die Zukunft blickend und in Erwartung der Dinge, die noch kommen.

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Responses

  1. Vielen Dank für diesen Bericht!
    JoBo

  2. […] Bildeindrücke (aus verschiedenen Quellen) und kurze Textbeschreibungen, die aus dem Bericht einer jungen Teilnehmerin aus Deutschland […]

  3. Sehr schöner Bericht! MAcht Lust auf mehr! Habe letztes Jahr durch ein Kirchenfest 2 nette Mädels aus Spanien kennen gelernt! Seitdem besuche ich öfter solche Veranstaltungen 😀


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