Verfasst von: Cornelia | 9. Dezember 2012

Siehe, der Herr wird kommen

BildAdvent. Ankunft. Der Herr wird kommen. „Aber Jesus ist doch schon geboren“, habe ich die Worte einer Erzieherin aus dem Kindergarten, in dem ich ehrenamtlich helfe, im Ohr. Sie überlegt, ob sie dem Drängen von Kindern und Eltern nachgibt, in die Krippe im Eingangsbereich des Kindergartens, die dort nacht dem ersten Advent aufgebaut wurde, und an der schon Maria, Josef, Hirten, Engel und Schafe versammelt sind, auch das Jesuskind schon hineinzulegen. Ja, richtig, Jesus ist schon geboren, die Welt ist schon erlöst. Wir warten dennoch – aber als Erwachsene eigentlich nicht mehr in diesem Sinne auf Weihnachten. Ich mein, die Kinder, die warten wirklich auf Weihnachten – kann ihnen auch keiner verdenken, denn es ist ja einer der  schönsten Tage im Jahr für sie.

Aber warten die Erwachsenen überhaupt auf Weihnachten? Ich glaube, das tun sie eigentlich nicht. Weihnachten ziehen sie vor, einfach um ein paar Wochen. In diesem Jahr habe ich genau am 27. November das erste Mal „Stille Nacht“ gehört, als ich auf dem Fahrrad an einem der fünf Münsteraner Weihnachtsmärkte vorbeifuhr. Diese werden am Montag vor (!) dem ersten Advent eröffnet. Warum warten Erwachsene eigentlich nicht auf Weihnachten? Ich glaube, weil Warten in unserer Gesellschaft mittlerweile fast ausschließlich negativ assoziiert wird. Bei der Bahnhofsmission treffe ich oft auf Reisende, deren Zug zehn oder zwanzig Minuten verspätet ist und die das „schrecklich“ finden. Nein, möchte ich manchmal sagen, schrecklich ist, dass jeden Tag in der Welt Kinder verhungern oder an Krankheiten sterben, die wir mit einfachster Medikation heilen können. Wenn der Zug ein wenig verspätet ist, ist das nicht schrecklich, sondern ärgerlich – sofern ich mich darüber ärgern möchte. (Helfen tut es aber auch keinem.) Aber warten zu müssen, so erlebe ich auch in Arztpraxen oder in Kassenschlangen, scheint für viele wirklich schlimm zu sein, vertane oder verlorene Zeit. Vielleicht ist das der Grund, dass viele nicht mehr auf Weihnachten warten, sondern die eigentliche Feier auf die Wochen davor verlegen. Denn da hat die Erzieherin aus dem Kindergarten recht: Jesus ist ja schon längst geboren. Da ist es vielleicht sogar konsequent, dass nun tatsächlich auch schon einige Wochen vor Weihnachten das Kind in der Kindergartenkrippe liegt.

Aber das entbindet nicht uns Erwachsene von unserem Warten, denn wie ich schon schrieb: Die Erwachsenen warten in Wirklichkeit gar nicht auf Weihnachten. Denn die Adventszeit will uns ja eigentlich ins Bewusstsein rufen, dass die Wiederkunft Christi noch aussteht, auf die wir noch warten. Aber tun wir das? Schließlich wurde diese uns schon vor knapp 2000 Jahren verheißen, und immer noch ist sie nicht gekommen. Und das, wo das Warten uns so quält und wir doch so viel anderes zu tun haben. Weihnachtsmärkte, Weihnachtssterne, Weihnachtsfeiern, Weihnachtsplätzchen, Weihnachtsgeschenke,Weihnachtskarten – alles will erledigt sein. Vielleicht erwecken aus diesem Grund selbst von den gläubigen Christen nur noch die allerwenigsten den Eindruck, die Wiederkunft Christi zu erwarten. Wann die sein wird, wissen wir nicht, aber wir sollen uns dennoch vorbereiten. Dafür gibt es ja auch in der Liturgie jetzt die vielen Lesungen, die uns auffordern, uns bereit zu machen und die Dinge, die in unserem Leben noch krumm laufen, wieder gerade zu biegen – weil der Tag des Herrn überraschend kommt wie ein Dieb in der Nacht. Vielleicht erlebt ihn jeder von uns unterschiedlich, in der Todesstunde oder auf noch andere Weise. Aber dann wird der Herr kommen, wie es in den alten Schriften heißt, und alle Heiligen mit ihm. Und an jenem Tag wird ein großes Licht erstrahlen, halleluja.

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