Verfasst von: Cornelia | 15. Februar 2013

Meine ersten Gelübde – ein Bericht

Mit der Professkerze

Mit der Professkerze

Unglaublich: Schon fast zwei Wochen sind vergangen seit diesem bedeutenden und sehr glücklichen 2. Februar, an dem ich mein erstes Gelübde ablegen durfte. Noch immer erinnere ich mich an jedes kleine Detail des Tages, als wäre es gerade eben erst gewesen. Seit November hatte ich mich ja bereits in Münster auf die Profess vorbereitet, mit Gebet, Unterricht und Lesen. Die letzte Woche vor der Feier habe ich dann aber in Detmold verbracht, wo ich schon vor dem Altar beten konnte, vor dem ich dann auch mein Gelübde abgelegt habe. Dieses Gelübde ist erst einmal für ein Jahr, und darauf folgt bei uns fünf weitere Male die Gelübdeablegung auf ein Jahr und einmal auf drei Jahre, bevor sich dann nach insgesamt neun Jahren die Lebensweihe anschließt.

In der Vorbereitungswoche wurde ich jeden Tag nervöser. Das ist wahrscheinlich wie bei anderen Leuten vor der Hochzeit. Da war ich sehr froh, dass mir mein geistlicher Begleiter aus  Studienzeiten an zwei Einkehrtagen zur Seite stand. Ab Freitag nachmittag wurde ich auch tatsächlich viel ruhiger, und am Samstag morgen vor der Heiligen Messe war ich sogar ziemlich gefasst. Es war alles wunderbar organisiert und

Beim Einzug

Beim Einzug

vorbereitet, meine Eltern und Geschwister hatte ich am Tag vorher trotz stiller Tage schon kurz begrüßen können, die Laudes vom Tag der Gelübdeablegung waren wunderschön gesungen worden und ich wartete in einem Raum nahe unserer Kapelle auf den Beginn der Hl. Messe. Auf dem Tisch stand die von einer spanischen Mitschwester (in Spanien hatte ich ja das erste halbe Jahr in der Gemeinschaft verlebt) sehr liebevoll und wunderschön für mich gestaltete Professkerze, und mit mir warteten  die Institutsleiter die Gebietsleiterin und die Ausbildungsleiterin sodass ich nicht allein war.

Dann kam der Moment des Einzugs: Die beiden Priester kamen mit den liturgischen Diensten und holten uns ab. Gemeinsam zogen wir außen herum in die Kapelle ein, wo die Festgemeinde wartete. Zusätzlich zu den Mitgliedern unserer Gemeinschaft hatte ich einige Freunde, ein paar Kollegen von der Bahnhofsmission und einige Weggefährten vom Stadtnoviziat in Münster eingeladen. Alle hatten brennende Kerzen in der Hand, weil wir ja auch Darstellung des Herrn feierten, und die Messe begann mit der Kerzenweihe hinten an der Orgel. Wie wunderschön sich diese beiden Feiern kombinieren ließen! Als wir dann in Prozession nach vorne zogen, strahlte ich wohl mit meiner Kerze um die Wette.

Kerzen, vorbereitet für die Kerzenweihe

Kerzen, vorbereitet für die Kerzenweihe

Nach der wunderbaren Predigt  kam dann der Moment der Gelübdeablegung. Es begann mit dem Skrutinium, der Befragung, ob ich bereit sei, die Gelübde der Keuschheit, der Armut, des Gehorsams, der Beharrlichkeit und des gottgeweihten Lebenswandels abzulegen. Mit großer Freude gab ich jeweils meine Antwort: „Ich bin bereit.“  Danach durfte ich die auf dem Altar liegende Urkunde unterzeichnen und sie anschließend vor dem Altar stehend verlesen. Dann durfte ich endlich das Suscipe singen („Suscipe me Domine secundum eloquium tuum et vivam, et ne confundas me ab expectatione mea.“ – Nimm mich auf, o Herr, wie Du verheißen hast, und ich werde leben, lass mich in meiner Hoffnung nicht scheitern. Diesen Gesang singen alle Benediktiner am Tage ihrer Gelübdeablegung.) – ein Moment, auf den ich so viele Jahre gewartet habe. Aber das Warten hat sich gelohnt.

Unterschrift

Unterschrift

Im Anschluss ging ich mit der Gebietsleiterin wieder nach hinten zur Orgel, wo sie meine Professkerze an der Osterkerze entzündete und mir übergab. Nun durfte ich sie durch den Mittelgang zum Altar tragen – und ich kann sagen, dass ich diesen Weg wirklich im unsagbaren Glück der Liebe lief. So eine Freude war es auch, als mir die verantwortlichen Mitschwestern und die beiden Priester den Friedensgruß gaben!

Zeichen meiner Hingabe: Urkunde und Professkerze auf dem Altar

Zeichen meiner Hingabe: Urkunde und Professkerze auf dem Altar

Nach der Heiligen Messe ging die Feierlichkeit in der Jugendbildungsstätte weiter. Nach dem Ständchen durften mir zuerst meine Eltern, mein Bruder und meine Schwester gratulieren, danach alle anderen. Dann aßen wir die leckeren Suppen, die das Küchenteam gekocht hatte und ließen uns auch die vielen tollen Nachtische sehr schmecken.  Nach dem Mittagessen und einem Kaffee reisten auch schon die meisten Gäste wieder ab. Aber meine Familie konnte noch bis zum nächsten Tag bleiben, sodass sie auch bei der weiteren Feier am Abend dabei war. Dort wurde noch eine Präsentation zum Thema „Schatzsuche“ gezeigt, die eine Mitschwester für mich vorbereitet hatte. Eine besondere Überraschung dabei war, dass sie von Facebook und meinem Blog die schönsten Bilder auch schon aus früheren Zeiten geholt und eingebaut hatte.

Der Tag ist vorbei, aber im Herzen trage ich diesen Schatz. Meine Augen haben in meiner Zeit in der Gemeinschaft das Heil gesehen, und ich glaube, dass ich noch Größeres sehen werde. Ich freue mich auf die schönen Jahre, die noch kommen!

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Responses

  1. Wie wunderbar, und das Fest der Darstellung ist auch ein denkbar wunderbares Datum für die Profeß. Gottes Segen!

    • Danke!

  2. Sehr schön geschrieben. Ich kann mich zwar nicht hineindenken in diese Lebensweise und könnte all diesen Verzicht nicht auf mich nehmen, aber Du überzeugst mich davon, dass es für Dich der richtige Weg ist. Alles Gute!

    • Der Verzicht ist selbstverständlich gegeben, aber Verzicht gehört zum Leben. Wann immer ich mich für etwas entscheide, verzichte ich auf alle anderen Entscheidungsmöglichkeiten. Und wenn ich mich für etwas entscheide, das ich für mich als das Schönste und Wertvollste erkenne, dann tut es weniger weh, auf das zu verzichten, was ich dadurch nicht haben kann.
      Danke jedenfalls für Deine Glückwünsche, Julia. :o)

  3. Auch wenn ich aus verschiedenen Günden diesen Deinen Lebensweg nicht für mich wählen könnte und würde, erscheint es mir, als seist Du glücklich und für Dich von diesem Weg überzeugt. Deshalb auch von mir alles Gute und Respekt für diese Lebensentscheidung!

  4. […] meinen ersten Gelübden ist – wie meine treuen Leser sich sicher denken werden – eine Menge passiert. Zunächst […]

  5. […] war ein unglaubliches Jahr seit der ersten Profess. Heute vor einem Jahr dieser glückliche Tag der Gelübde. “Lass mich in meiner Hoffnung […]


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