Verfasst von: Cornelia | 26. April 2015

Wie mich Radio Vatikan über die Evangelischen Räte interviewte

Auch eine neue Erfahrung in meinem Leben: Angerufen und mit einem unverständlichen Schwall Italienisch überhäuft werden, dann in der Warteschleife landen und wenigstens diese verstehen. Sinngemäß etwa: „Dies ist der Vatikanische Telefondienst. Bitte warten.“ Radio Vatikan wollte mich interviewen. Also, nicht nur mich, aber eine Mitschwester in Rom und mich als Vereterinnen eines Säkularinstituts. Radio Vatikan macht nämlich eine Radioakademie über die Evangelischen Räte (Armut, Gehorsam und Keuschheit) und was sie für die einzelnen Gemeinschaften bedeuten. Die Fragen hatten es dann ganz schön in sich. Zum Glück lagen sie mir bereits zwei Tage vor dem Interview vor, und ich konnte mich etwas vorbereiten. Interviews bin ich zwar mittlerweile gewöhnt, aber normalerweise bin ich ja auf der anderen Seite … Generell finde ich es weniger aufregend, die Person zu sein, die die Fragen stellt. Manche Fragen haben mich vertieft zum Nachdenken gebracht über unseren Lebensstil. Es ist interessant, aber nach fünf Jahren im Institut St. Bonifatius empfinde ich den Aspekt des Verzichts bei den Räten längst nicht mehr so stark. Ich gehe ja nicht jeden Tag brütend durch die Straßen und denke: „Ich kann keinen Partner haben, ich kann meine Sexualität nicht ausleben, ich kann keine Kinder kriegen.“ Natürlich ist das ein Verzicht. Aber einer, den ich mittlerweile nicht mehr immer und ständig empfinde. Ich gewinne ja auch eine Menge dabei. Die Freiheit für Gott kann sich in dem Maße wie wir wohl kaum ein Mensch nehmen, der eine Familie zu versorgen hat. Auch die Armut ist für mich eigentlich mehr Gewinn: Ich leide ja nicht direkt Mangel, ich habe alles, was ich zum Leben brauche. Aber ich hänge nicht mehr so an bestimmten Dingen wie früher, vor allem nicht an Dingen, die ich nicht habe. Und man kann noch so reich werden, die wenigsten können sich alles leisten. Selbst dann gibt es Dinge, die nicht käuflich zu erwerben sind: Glück, Zufriedenheit, innere Ruhe. Die aber werden uns meiner Erfahrung nach geschenkt in unserer Armut. Und der Gehorsam … Ja, der ist Vielen sicher schwer verständlich. Aber er ist für mich eine logische Folge: Ich schenke mein Leben ganz Gott – ich gehöre ihm – ich höre auf ihn – ich bin ihm gehorsam. Und in diesem Gehorsam merke ich, dass Gott für mich sorgt, mein Leben in gute Bahnen lenkt. Er ist ja kein Gott, der uns knechten will, sondern er liebt die Menschen und will sie zum ewigen Leben führen. Alle zusammen und jeden einzelnen. Wie sollte ich da nicht gehorsam sein wollen? Das in einem Telefoninterview alles in Worte zu fassen, war nicht so leicht. Aber es war eine spannende Erfahrung, und ich bin neugierig, was dabei herausgekommen ist. Dienstag kommt es auf Radio Vatikan.


Aus der Programmvorschau von Radio Vatikan:

Dienstag Abend, 28. April, 20.20 Uhr: Radioakademie Zum Anlass des derzeit laufenden Jahr des Ordens beschäftigt sich unsere April Radio-Akademie mit den Gelübden – Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit. In der letzten Folge kommen Laien zu Wort, die sich als Mitglieder von Säkularinstituten für eine Sonderform des geweihten Lebens entschieden haben. Wir fragen sie, wie es ihnen mit den evangelischen Räten geht. (Teil 4/4).


Und hier findet sich (zumindest bisher) der Beitrag.


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